It’s Time 4 (News) CHANGE…
24 November , 2008 um 1:42 am | Veröffentlicht in Studie | Hinterlasse einen KommentarTags: news_change media_change news_consumption associated_press
Spät, aber besser als gar nicht… Ja, ja, ich weiß, es ist kaum zu glauben, aber ich konnte mich endlich aufraffen und meine bereits vorigen Samstag, 15. November 2008, bei Google.Docs vorgefertigte Studienrezession hier als Blog veröffentlichen. Studie? Achso, ja, worum’s in diesem Entry eigentlich gehen soll: Die Associated Press (kurz: AP) hat im Juni dieses Jahres eine Forschungsgruppe beauftragt, eine Studie über die Gewohnheiten von jungen Leuten bezüglich Nachrichtennutzung durchzuführen. Hauptziel dieser Studie war es unter anderem herauszufinden, welche Quellen (bevorzugte Plattformen, traditionelle Kanäle wie Print, TV und Radio oder nicht-traditionelle Kanäle,…) am häufigsten beim Nachrichtenkonsum verwendet bzw. vermieden werden und wie die jungen Leute überhaupt zum Thema Nachrichten stehen. Hauptsächlich wurden folgende Methoden angewendet:
- “Self-reported Real-time Behaviors”: Teilnehmer mussten ein Journal namens “My News” erstellen und darin Fragen über ihre Nachrichtennutzung beantworten; ein “News-Tagebuch” über ihren täglichen Nachrichtenkonsum (Konsumdauer, welche Medien,…) erstellen; in einem Blog über ihre Motive, Nachrichtenwert etc. berichten u.s.w.
- “Day-in-the-Life Immersion” Beobachtung des genauen Tagesablaufs der Teilnehmer (unter Anwesenheit eines Anthropologen)
- “In-home In-depth” Tiefeninterviews bei den Teilnehmern zuhause
=> tiefgründige anthropologische Untersuchungen
Insgesamt haben sich 18 Teilnehmer im Alter von 18 bis 34 Jahren (mit Schwerpunkt auf 18 bis 24jährigen) unterschiedlicher Herkunft (aus UK, USA und Indien) und beider Geschlechts an der Studie beteiligt.
Wozu nun der ganze Aufwand? Die AP konnte folglich anhand der anthropologischen Untersuchung Strukturen erkennen und ein neues Modell, das als “A New Model for News” (siehe unten) bezeichnet wurde, erstellen, das hauptsächlich der Medienindustrie und den Medienproduzenten als Hilfe für die durch die veränderten Verhaltensweisen in der Nachrichtennutzung erforderlichen Innovationen zur Verfügung stehen kann; wie dieses in dieser Studie erforschte, veränderte Nachrichtennutzungsverhalten nun konkret aussieht, soll in folgender Abbildung veranschaulicht werden:
=> Ungleichgewicht der Boxengröße “above-the-fold” / “below-the-fold”: d.h. die Studienteilnehmer lesen zwar viel und häufig Headlines, Printnews-Ausdrücke oder Updates, aber gehen NICHT tiefer in die Materie ein (= “Back story”); außerdem kann man “the fold” auch als Trennlinie interpretieren zwischen News die p a s s i v konsumiert werden (= Headlines, Updates und Facts via Email, Webportalen oder Mundpropaganda – man wird “überflutet” ohne sich viel dagegen wehren zu können) und News die man sich a k t i v “aneignen” muss, in dem man die “Back / Future Story” liest.
(Einige) Ergebnisse der Studie:
- Der Nachrichtenkonsum der heutigen Zeit ist geprägt von schnellen Verbreitungsmitteln und -plattformen, die allesamt ein schnelles Überfliegen der Nachrichten ermöglichen; die 24/7-Newswelt stellt den Zugang zu News rund um die Uhr zur Verfügung; Newskonsumenten können jederzeit aus zahlreichen Kanälen (Fernsehen, Internet, Mobilen Diensten, Radio u.s.w.) die für sie interessanten News herauspicken.
- Newssuche ist mit Email verbunden: “I get my news when I check my e-mail” = das meistgehörteste Statement der Studie; überhaupt zeigt die Studie, dass Email + News gut harmonieren, weil kleine Häppchen von Infos schnell vermittelt werden – allgemein fehlt aber der tiefere Zugang zu den Informationen. Anbieter wie Yahoo, MSN u.s.w. unterstützen bereits dieses Verhalten durch die Bereitstellung von Email-Clients, für die Zukunft sollten aber auch Newsproduzenten in Emails als Update-System investieren
- Newssuche ist mit Langeweile verbunden: Obwohl die Teilnehmer der Studie sehr häufig ihre Emails auf News prüfen bzw. sich online über die neuesten Schlagzeilen informieren, machen sie das 1.) eigentl. nur aus Langeweile und 2.) nicht sehr tiefgründig (sie schauen sich zwar Überschriften an, lesen aber nicht die ganze Story oder “jumpen” von einem Onlineartikel zum nächsten – wie Frank aus Silicion Valley, der zwar eifrig am News-Suchen ist, aber die Inhalte nur überfliegt) => Newsproduzenten sollten Nachrichten so vermitteln, dass man schnell das Wesentlichste herauslesen kann.
- “News = Multitasked”: Nachrichtenkonsum geht immer mehr mit anderen Aktivitäten einher; man konsumiert seine Nachrichten beim Autofahren, in der Arbeit, beim Kaffeekränzchen mit den Arbeitskollegen u.s.w.
- “News Fatigue” ist vorherrschend: Konsumenten sind häufig “ermüdet” / genervt von Nachrichten und verbinden sehr oft negative Dinge (Tragödien, Krieg, Krisen oder sonstiger Terror) damit; Aversionen entstehen auch dadurch, dass Konsumenten tagtäglich, von früh bis spät, der Informationsflut hilflos ausgeliefert sind und außerdem schlechte Erfahrungen beim Nachrichtenkonsum (z.B. ein und dieselbe Meldung auf verschiedenen Portalen, jedoch unterschiedlich aufbereitet oder unterschiedliche Daten, Fakten, Zahlen,…) gemacht haben.
- “Häppchenweise Berichterstattung” = langweilig: wenn eine Story bereits ein paar Tage alt ist und immer wieder aktualisiert ist, ist sie schon längst nicht mehr interessant (Riya aus Hyderabad’s Meinung); Robert aus Philadelphia wünscht sich alle Details zu einer Story auf einmal, nicht in kleinen Stücken.
- Fülle / Reichtum an Nachrichten führt nicht zwingend zu mehr “Tiefe” (“news today ist not the full story, but more like a preview – it’s kind of annoying sometimes” – Statement von Jack aus Kansas City) => Nachrichtendiät: die Testpersonen werden mit Headlines, Facts oder Updates überhäuft, nicht aber mit vertiefenden Hintergrundstories.
- Konsumenten wollen sich an Newsverbreitung partizipieren: viele Studienteilnehmer wollen News bzw. Teile davon selbst produzieren und zusammensetzen: Raj aus Hyderabad hat z.B. eine Whiteboard wo er jeden Abend, bevor er in Bett geht, aktuelle Schlagzeilen postet.
- Es besteht noch Hoffnung… Das News-Deinteresse der Konsumenten ist nicht so fatal; es ist noch genügend Energie vorhanden v.a. im Hinblick auf die Tatsache dass News “worth sharing” sind.
Das neue Modell:
(komplexere Darstellung)
=> Redakteure müssen kreative, neue Wege finden um die Nachrichten über mehrere “Links” oder Plattformen zu verbinden, denn die Konsumenten gelangen meist nur durch Zufall zu den “Eintrittsstellen der Nachrichtenatmosphere” (z.B. Überschriften in Emails); erforderlich sind beispielsweise Links zu vertiefender Nachrichteninformation, anderen Meinungen / Statements, genaue Pfadangabe => verschiedene Themen könnten so auf eine schlüssige Art und Weise miteinander verbunden werden
=> neuer Workflow “1-2-3 Filling” = aus Worten entsteht Headline, dann kurze Story mit grundlegenden Details, dann erst Hintergrundstory je nach Plattform (z.B. für Zeitungen) => “News Package” (inkl. Hintergrundstory und “Future story”)
=> neue Infrastruktur für die schnellere Ausstrahlung von Inhalten (z.B. interaktive Onlineportale der Zeitungen, Newsdistribution via Handy; mehr dazu siehe Case Study “The Telegraph” ab Studie-Seite 66!)
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